Samtweiche Tiefen, duftige Höhen
Saarbrücker Zeitung

16. September 2015

Kerstin Krämer

Nahezu ohne Nachhall ist die achteckige Bischmisheimer Schinkelkirche. Idealer Aufführungsort für das Sommermusik-Konzert des Daarler Vocal Consorts mit „Lost in transition“.
Mit ihrer lichten Akustik gehört die achteckige Bischmisheimer Schinkelkirche zu den Stammspielorten der Saarbrücker Sommermusik. Am Sonntag gastierte dort das Daarler Vocal Consort und profitierte als sechsköpfiges Gesangsensemble von dem nahezu nachhallfreien Raumklang, der eine besonders transparente Durchhörbarkeit des mal betörend gespinst zarten, mal mit choraler Fülle trumpfenden Stimmengeflechts ermöglichte.

Das international ausgezeichnete Consort, ein Ableger des renommierten KammerChors Saarbrücken, präsentierte sein Programm „Lost in transition“ mit weltlichen und geistlichen Noten aus dem 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Das übergeordnete Thema war Aufbruchsstimmung: Unter diesem Motto interpretierten die abwechselnd moderierenden Mitglieder des Vokal-Sextetts neben romantischen Weisen von Brahms und zeitgenössischen Bearbeitungen internationaler Volkslieder auch Noten, die von B. Chilcott, Philip Lawson oder I. Moody eigens für die illustren Kings Singers oder das Hilliard-Ensemble geschrieben wurden.

Gerade wegen seiner Schlichtheit besonders eindrucksvoll geriet etwa Moodys in der Tradition orthodoxer Kirchenmusik stehendes Canticum Canticorum I. Gleich der eröffnende, von der Empore gesungene „Frühlingsblick“ von Max Reger offenbarte die Qualitäten von Yvonne Zimmer (Sopran), Susanne Wagenmann (Mezzosopran), Marita Grasmück (Alt), Helmut Winkel (Tenor), Georg Grün (Bariton) und Stefan Paul (Bass): exzellente Artikulation, makellose Intonation, perfekte rhythmische wie dynamische Abstimmung – Klangkultur von samtweichen Tiefen bis zu ätherisch duftigen Höhen. Mit einem Ausflug zu Billy Joëls „And so it goes“ bewies das Daarler Vocal Consort schließlich, dass es sich auch auf dem Pop-Sektor zu behaupten vermag.

Besprechung der CD 'Lost in Transition'
in der Thüringer Landeszeitung

21. Juni 2014

 

Verloren im Übergang

 

Recht kontemplativer Vokalmusik von zeitgenössischen Tonschöpfern hat das Daarler Vocal Consort seine neue CD Lost in Transition gewidmet. Dabei stellt das sechsköpfige Ensemble Werken von Ivan Moody, Georg Grün oder Jaako Mäntyärvi kurze Kompositionen von Reger, Poulenc und Brahms sowie der Altvorderen Carlo Gesualdo und Christoph Demantius gegenüber. Wer den naheliegenden Esoterikverdacht erst überwunden hat, mag die zarte Intonation der Vokalisten aus dem Saarland - insbesondere bei den zumeist unerhörten Schöpfungen jüngeren Datums - immer ruhiger werdenden Herzens genießen.

Besprechung der CD 'Lost in Transition'
auf Kultur-Port.de

Geschrieben von: Claus Friede am  Freitag, den 27. Juni 2014

 

Es soll die Inschrift einer alten Brücke in Wien gewesen sein, die den Leiter und Bariton des in Saarbrücken beheimateten „Daarler Vocal Consorts“, Georg Grün, zur Komposition von „Lost in Transition“ inspirierte. Die Inschrift trägt folgende tröstenden Worte:
„Alles ist nur Übergang.
Merke wohl die ernsten Worte:
Von der Stunde, von dem Orte
Treibt dich eingepflanzter Drang.
Tod ist Leben, Sterben Pforte.
Alles ist nur Übergang.“
Andere verorten diese Worte im Werk von Johann Wolfgang von Goethe.

Mit dem Leben als Übergang beschäftigt sich die Menschheit seit Jahrtausenden. Nun, was bedeutet es im Übergang verloren zu sein? Im Übergang von und nach –wohin? Um was für ein räumliches und zeitliches Konstrukt handelt es sich?
Ist es die Vorhölle Dante Alighieris und dessen Läuterungsberg? Kommt man von dort weiter ins Paradies? Als Wanderer in das Goldene Zeitalter eines Nostradamus. Oder wie es die Schriftstellerin Hilde Domin (1909-2006) einmal in ihrem erstem Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“ formulierte: „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“.
Auch bei Heraklit von Ephesos ist alles im Werden und Wandel; panta rhei, „Alles fließt“ – es bleibt nichts wie es ist und steht in einer spannungsgeladenen Einheit. Sein poetisches Denken speist sich vergleichend aus Naturvorgängen und überträgt sie auf das Leben.
Im Buddhismus heißt es: nichts ist beständiger als die Unbeständigkeit. Der Übergang in ein neues Leben – zyklisches Reinkarnieren bis zum Nirwana, bis alles sich auflöst und eins wird, auch jedwede Vorstellungskraft. Der Übergang liegt zwischen Raupe und Schmetterling, im Kokon der Zeit, sich entfaltend oder vertrocknend, es gibt immer eine Alternative, auch im Übergang.
All dies ist in der Komposition von Georg Grün latent hörbar. Es ist das letzte und jüngste Stück auf der CD und endet mit dem Satz: „All is but mere transition“ (Alles ist nur Übergang).

Die Brücke ist das Symbol für den Übergang, so verbindet man Ufer mit Ufer, Musik mit Musik, Gedanken mit Gedanken. Brückenartig verbunden sind auch die Kompositionen auf der CD, quer durch die Zeiten hinweg – der älteste der vierzehn Komponisten ist Carlo Gesualdo (1566-1613), der jüngste Reiko Füting (1970). Alle eint das Thema des Übergangs, aber alle interpretieren es anders: Mal ist es der Übergang vom Leben in den Tod wie bei dem bereits erwähnten Carlo Gesualdo, bei Burkhard Kinzler (1963) und bei Georg Grün (1960), mal sind es die Jahreszeiten wie bei Edvard Grieg (1843-1907), Francis Poulenc (1899-1963) oder Ivan Moody (1964), mal ist es der Übergang vom Tag zur Nacht wie bei Johannes Brahms (1833-1897). Die Natur ist Sinnbild für den Zyklus des Lebens – wie bei Heraklit. Die Tages- und Jahreszeiten tragen in den Texten von Hermann Hesse, Henrik Ibsen und Heinrich Heine metaphorische Nuancen in sich.

Wer auf Grund des neblig, herbstlich eingehüllten Covermotivs glaubt, die CD würde sich lediglich der Melancholie hingeben, tröstende Worte bereitstellen und tränenreich Abschied nehmen, der wird eines besseren belehrt, wenn er die CD in seiner Bandbreite angehört hat. Die preisgekrönten Chorstimmen der sechs Protagonisten des „Daarler Vocal Consorts“ bewegen die Gefühle in unterschiedlichen Übergangsräumen und kreieren fein differenzierte Stimmungen zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Liebe und Vergänglichkeit und zwischen Weltschmerz und Lichtsuche.

Entgegen aller Mutmaßungen im Begleittext ist an dieser Musikzusammenstellung gerade das Besondere, dass die Uhr eben nicht stehenbleibt, sondern sich die Zeit ins Unendliche dehnt: „All is but mere transition“.

Daarler Vocal Consort
Lost in Transition
Label: Rondeau
Nr. ROP6087

Claus Friede in www.kultur-port.de

 

In aller Perfektion: Daarler Vocal Consort in der Stiftskirche

Geschrieben von: (pes) in: Saarbrücker Zeitung Nr. 72 – Kultur Regional, Sa./So. 24./25. März 2012

 

Saarbrücken: Drei Damen und drei Herren – sechs Stimmen genügen, um die Vokal-Polyphonie der Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen. Und sie reichen zudem aus, um einen mächtigen Raum klanglich zu füllen. Am Donnerstag gastiert im Rahmen des Tamis-Festivals das „Daarler Vocal Consort“ unter ihrem mitsingenden Leiter Georg Grün in der St. Arnualer Stiftskirche. Das Programm unter dem Motto „Mors et vita duello“ (Tod und Leben im Kampf) enthielt Gesänge aus 400 Jahren (12. bis 16. Jahrhundert) und als Spezialität zusätzlich ein zeitgenössisches Werk des britischen Komponisten Ivan Moody (geboren 1964).

Es begann mit dem 12. Jahrhundert und der frühen Mehrstimmigkeit der Hildegard von Bingen. Geprägt von den hohen Frauenstimmen und wohlproportioniert durch feinfühlige Phrasierung, schwebten die liturgischen Klänge zart in der Akustik des Kirchenschiffs. Ein ätherischer Genuss, zu dem ganz besonders die hohe stimmliche Qualität der Sängerinnen und Sänger beitrug, die Grüns international renommiertem Kammerchor Saarbrücken entstammen. Andere Beispiele damaliger kirchlicher Vokalkunst leiteten über zu den polyphonen Kunstfertigkeiten eines Josquin Desprez (1450-1521), deren stellenweise kühne harmonische Errungenschaften von Komponisten wie William Byrd, John Sheppard, Orlando di Lasso oder John Ward noch geschärft und farbiger ausgemalt wurden.

Die sechs solistisch agierenden Mitglieder des Daarler Vocal Consorts pflegen einen noblen A-Cappella Gesangsstil hochartifizieller Prägung mit allen nur erdenklichen Ansprüchen an Stimmbildung, Technik, Ausdruck oder Artikulation. Das ergibt eine Art Perfektionsstreben, das ihren Stücken den Stempel des Endgültigen, kaum noch Steigerbaren, verleiht. (pes)

 

Besprechung der CD 'Zwischen Himmel und Erde' im luxemburger CD Magazin 'Pizzicato'

Geschrieben von Pierre Schwickerath in Pizzicato 5/2010

 

„Wir können dieser CD, die nicht aufhört, uns zu begeistern und uns gefangen zu nehmen, in mehrfacher Hinsicht die höchste Auszeichnung verleihen“, schreibt das in mehreren Sprachen erscheinende Klassik-Magazin. „Der größte Teil unserer großen Bewunderung gebührt dem Vokalensemble Daarler Vocal Consort.“ Pizzicato bescheinigt dem jungen Ensemble reine Intonation, treffsichere chorische Homogenität und einen durch und durch ehrlichen musikalischen Ausdruck. Die Werke eines Will Todd oder eines Georg Grün seien mit der gleichen Natürlichkeit und der gleichen Meisterschaft gesungen wie die eines Maurice Duruflé, eines Max Reger oder eines Claude le Jeune, so Pizzicato: „Aber unsere Bewunderung gebührt auch all den zeitgenössischen bekannten wie unbekannten Komponisten, ihrem unleugbaren Talent und ihrer tonsetzerischen Meisterschaft, die ihnen erlaubt, jedem auf seine Weise, mit dem harmonischen Vokabular und der kontrapunktischen Syntax unserer Zeit die allgemeingültigsten menschlichen und geistlichen Gefühle auszudrücken.“